Tag 58/2016: Noagerl [noàgàl] zammschüttn

Ich gebe zu, das Buch „Kitchen Confidental“ von Anthony Bourdain war nicht das erste an das ich denken musste, als ich voller Faszination der Wirtin eines von mir sehr geschätzten regionalen Traditionswirtshauses zusah, wie sie in sich selbst ruhend am Tresen drei Noagerl eines eben abgeräumten Tisches wieder in die Getränkeflasche zurückfließen ließ.

Ein Noagerl (sprich „noàgàl“), oder auch „Spruz“, ist der nicht getrunkene Teil eines Getränks, der im Glas zurückbleibt; von Gästen, die nicht der alten Weisheit folgen: „Lieber den Magen verrenkt, als dem Wirt was geschenkt“.

In starkem Kontrast zur unkompliziert vorgehenden barmherzigen Wirtsmutter, welche die Ressourcen von Mutter Erde unter ihren besonderen Schutz stellt, steht die Diskussion in Regensburg, ob man für den Kaffee To-Go statt der Plastikbecher nicht seine eigene Tasse verwenden dürfe. Da stellen sich einige Wirte doch sehr an, wenn sie befürchten, ein Gast könne sein Lippenherpes auf Kontamination vom Kaffeezapfhahn zurückführen und eine Klage anstrengen.

Die sollten sich mal von der Noagerl-Wirtin beraten lassen.

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