Tag 184/2016: Pluspunkt Roboter-Journalismus

These: Wenn in ein paar Jahren die Verfahren zur Textgenerierung noch weiter ausgereift sind und die Software dafür auf Mietbasis aus der Cloud kommt, dann wird parallel dazu ein Berufsbild entstehen, das nur noch Teilaspekte der heutigen journalistischen Tätigkeit aufweist, dafür aber eine stärkere Betonung auf die Organisation, Auswahl und Analyse der Quellen zeigt. Interessanterweise. Die kommenden Werkzeuge benötigen ja Daten: verlässlich, viele, auch glaubwürdig. Zur Verfügung gestellt aus Sensoren, Kameras (Bilderkennung), Mikrofonen, Graphendatenbanken usw. Und brauchen damit jemand, der die Zusammenführung überwacht, organisiert und gewichtet. Denn aus den Daten wird blitzschnell und in dutzenden Varianten Text erzeugt, der wie jetzt schon auch zur Meinungsbildung und damit Manipulation taugt. Ich sehe das eher als Variation der häufig gelesenen Beschreibung des zukünftigen Berufsbilds des Journalisten, der mehr Fähigkeiten in der Datenanalyse und Visualisierung bekommen soll. Das ist eher schon wieder überholt.

Momentan wird ja noch, zur Beruhigung derer, die den Beruf ausüben, argumentiert, es stünde dann mehr Zeit für aufwändiger recherchierte Textformen zur Verfügung und man konzentriere sich auf einfache, besonders gut für Regeln und Algorithmen geeignete Nischen (z.B. Sport, Finanzberichte).

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wo „geführtes Texten“ eine neue qualitative Dimension und Verfügbarkeit (!) erreicht, aus dem bisherigen Produzenten eher ein Anwender wird, verlagern sich die Bedürfnisse weg vom „individuellen Sensor Mensch“ zum Datenorganisator. Die Nischen werden weniger.

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