Tag 73/2016: News-Junkie? Schon mal die Mediendiät probiert?

Ein interessantes Diskussionsthema ist die „Mediendiät“. Würdest Du es schaffen, 30 Tage keinerlei Nachrichten zu konsumieren?

Warum sollte man das überhaupt tun? Man muss doch wissen, was um einen herum passiert, als mündiger Bürger oder mündige Bürgerin. Muss informiert sein. Darf nichts versäumen. Muss mitreden können. Braucht die Informationen (irgendwie) beruflich. Undsoweiter.

Für viele sieht der Tag dann auch so aus: News checken via Smartphone/Tablet gleich nach dem Aufwachen, dann Tageszeitung, Radio zuhause, Radio im Auto, 10x Website-XY, Fernseh-Nachrichten und parallel Smartphone. Bestens präpariert für Flur-Kommentare, Kantinen-Fachwissen und die Formation eines Weltbilds.

Tatsächlich tut vielen die Kakophonie aus minutiöser, ununterbrochener, aufmerksamkeitsheischender und mal-so-mal-so kommentierter Berichterstattung gar nicht gut. Alles wird schlimmer und die Welt geht unter, das wird transportiert (siehe Beispiel 1, Beispiel 2, Beispiel 3, Beispiel 4, Beispiel 5). Anderes wiederum ist banal, für kurze Aufreger gut; besserwisserisch, obwohl doch letztlich keiner Ahnung hat; „bonmotig“ in den Randnotizen; manipulativ in den Advertorials; beliebig, peinlich oder beliebig peinlich (Seite 1: ein Fußballergebnis neben einem Attentat); dazu Unfälle, Einbrüche, Sachschäden.

Eine Mediendiät kann hilfreich sein, wieder zu lernen, welche Nachrichten tatsächlich für das eigene Leben relevant und nützlich sind. Welche Forderungen man im Idealfall an die Art der Präsentation (Filter, Algorithmen, Kuration) und Distribution (Medium, Push, Pull), den Zeitpunkt („positiv den Tag beginnen?“) und die Häufigkeit des Konsums stellen würde.

Wie oft hat Deine konsumierte Berichterstattung der letzten Jahre dazu geführt, dass

  • Dein Wahlverhalten explizit beeinflusst wurde (beispielsweise statt CDU die Grünen gewählt oder „Protest“ oder Wahl ferngeblieben)?
  • Du auf die Straße gegangen bist und demonstriert hast?
  • Du in irgendeiner sonstigen Weise politisch aktiv geworden bist?
  • Du einem Verein etwas gespendet hast?
  • Du mit dem Nachrichtenwissen explizit etwas für Dich oder in Deinem persönlichen Umfeld zum Positiven verändern konntest?

Die Antworten helfen bei der Überlegung, ob man die Mediendiät startet. Wer es wagt, wird mindestens mit einem veränderten Blick auf die Medienlandschaft belohnt.

 

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